Vernich

Die Edelherren von Vernich, eine Seitenlinie der Burggrafen von Tomberg-Müllenark, führten die Müllenarkschen Balken in ihren Wappen. 1342 kam die reichsunmittelbare Herrschaft durch Verkauf an die Grafen und späteren Herzöge von Jülich. Für den neuen Landesherren steht der Löwe im hinteren Feld, während die drei Kugeln, das Attribut des heiligen Nikolaus, an den Pfarrpatron der alten Vernicher Kirche erinnern.

Statistik
1798
1803
1850
1905
1939
1950
1970
2000
2005
2007
Einwohnerzahl der Gemeinde Vernich
559
611
954
1.031
1.251
1.693
2.206
3.289
3.336
3.388

Geschichtsdaten
Ersterwähnung des Ortes Vernich (Vaevernich)
1145
Ersterwähnung des Ortes Horchheim (Horenchusen)
1104
Ersterwähnung des Ortes Groß-Vernich
1229
Ersterwähnung des Ortes Klein-Vernich
1332

Johann Hugo von Orsbeck war 1634 auf Burg Groß-Vernich geboren, nach Schule und Studium 1672 Koadjutor des Erzbischofs von Trier, 1675 Fürstbischof von Speyer und im Jahre danach Erzbischof und Kurfürst von Trier geworden. Als regierender Landesherr verfügte er bei allen wirtschaftlichen Belastungen durch die Kriege immer noch über hinreichende Mittel, um seinem Heimatort Vernich helfen zu können. Er kaufte vom verarmten Vernicher Adel dessen Höfe sowie Burg Klein-Vernich mit den zugehörigen Akten der Vorbesitzer und ließ 1706 Skizzen und Grundrisse seiner Vernicher Güter anfertigen. Ferner schenkte er seiner Pfarrgemeinde wertvolle Kultgeräte und Paramente und im Jahre 1710 das Geld zum Bau einer neuen Pfarrkirche. Sie konnte wegen des herrschenden Krieges erst nach seinem Tod (6.1.1711) errichtet werden.

Die Motte Tomberg war die früheste und größte Burg hier, die einst südlich der heutigen Mühlenstaße zwischen Tomberger Straße und Sportplatz lag. Dort haben zur Zeit der Normannen-Einfälle oder bald danach die damaligen, uns namentlich nicht bekannten Herren von Groß-Vernich ein turmartiges Haus auf einem Pfahlrost im Sumpf erbaut und ringsum mit Erde eingemottet, die sie zur Anlage eines großen Wasserberings ausheben ließen. Rund 60 Meter umfasste dieser Mottehügel am Fuß im Durchmesser. Heute ist er kaum noch erkennbar, weil bei der Feldbestellung Hügel, Gräben und Wälle immer mehr eingeebnet worden sind. Durch Landkarten von 1706 und 1789 ist diese Burg eindeutig nachgewiesen. Die Hauptburg wurde bereits 1460 in der Vernicher Fehde zerstört und nicht wieder aufgebaut, die zugehörige Mühle wurde 1737 erneuert, die Vorburg hielt sich noch Jahrhunderte unter dem Namen Tomberger Hof; zum Gedächtnis an einen der Halfen dieses Hofes wurde in seiner Nähe 1615 das Tomberger Kreuz, ein Hochkreuz aus Stein, errichtet, das 1990 wieder einmal versetzt und dabei renoviert worden ist.

Reinhard Brent von Vernich erbaute um 1360 die zweiteilige Wasserburg (mit Ölmühle), die durch die Fehde seines Urenkels Goswin III. mit der Stadt Köln im Jahre 1460 bekannt geworden ist. Er hatte sich mit anderen im Bunde als Raubritter gegen Kölner Kaufleute betätigt, war daraufhin von Kölner Stadtsoldaten befehdet und in Vernich gefangen worden. Danach ließ er der Hauptburg einen wehrhaften, heute ruinösen Torturm vorsetzen. Die Burg sollte im 17. Jahrhundert nochmals bekannt werden, ehe sie im 19. Jahrhundert verfiel.